Dienstag, 29. Mai 2012

Die Nakba und anderes




Die heutige Regierung Israels agiert nicht so, wie ich und sehr viele andere Israelis es gerne sähen. Doch das hat mit der Welle neuen Judenhasses, als Israelkritik getarnt, nicht das Geringste zu tun. Grundsätzlich wird Israel kritisiert und in Wort und Schrift angegriffen, weil es um sein Überleben kämpft und uns Juden weiterhin eine Heimat und Zuflucht für den nächsten antisemitischen Tsunami zur Verfügung stehen soll. Um nichts anderes geht es. Die gegenwärtige Entwicklung gibt dem mit Nachdruck Recht. In den ersten zwanzig Jahren wurde Israel bewundert, jetzt gehasst – obwohl sich an der grundsätzlichen Situation wenig geändert hat. Die relativ wenigen israelischen Extremisten, die früher nur ihre Ideologie meist nur theoretisch pflegen konnten, könnten heute, wenn die Regierung es nur wollte, unter Druck gesetzt und ausgeschaltet werden. Einen Unterschied im krankhaften Hass der Mehrheit der arabischen Welt und dem noch krankhafteren Hass verschiedener – auch jüdischer – ideologisch pervertierter Personen im Westen, macht das nicht. Israel könnte noch so liebenswert sein – es wird heute grundsätzlich gehasst.

Nichts ist einfacher als dies mit einem Rundblick in der westlichen und muslimischen Welt zu bestätigen. Hier nur einige Beispiele:

Die Flüchtlingsfrage und Nakba

Zum Problem hochstilisiert werden ausschliesslich palästinensische Flüchtlinge. Nicht in die Gleichung einbezogen werden die 800'000 Juden aus Ägypten, Irak, Nordafrika, Syrien, Libanon etc., die ab 1948 erst durch Pogrome dezimiert (besonders der Irak zeichnete sich da aus), dann ihres teilweise beträchtlichen Eigentums beraubt und aus dem Lande gejagt wurden. Die Millionen nichtpalästinensischer Flüchtlinge im Rest der Welt werden von den Medien und der UNO unter ferner liefen eingestuft. Wie beispielsweise die Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eriträa und anderen afrikanischen Ländern, die heute zu Tausenden auch nach Israel geflohen sind.

Die Nakba war ein Unglück für die Palästinenser, die aber von der palästinensischen Führung und ihren Helfershelfern der arabischen Liga selbst verursacht worden ist. Allerdings muss einmal gesagt werden: ohne Nakba gäbe es keine Palästinenser. Ohne Nakba gäbe es im von der UNO bestimmten jüdischen Teil der UNO-Resolution 181 arabisch-israelische Bürger und auf der anderen Seite einen arabischen Staat (es sei den, dieser Teil wäre sich von einem bestehenden arabischen Staat einverleibt worden). Der arabische Sündenbockkomplex, der für alles Schlechte das ihnen zustösst, ausschliesslich andere verantwortlich macht, hatte da zugeschlagen. Heute ist dieser Komplex zu einer Tradition geworden. Arabische Selbstverantwortung ist noch immer ein Fremdwort – wenige Ausnahmen, wie der von seinem eigenen Volk gehasste palästinensische Ministerpräsident Fayyad, bestätigen die Regel. 

Nichts ist gegen den Gedenktag für die palästinensische Nakba einzuwenden. Er sollte die Palästinenser zur Besinnung ihrer Situation veranlassen, wird jedoch ausschliesslich zum Hass schüren gegen Israel und die Juden der Welt missbraucht. 

Geschichtliche Fakten werden in diesem Zusammenhang stets vergessen: Die Nakba ist völlig selbstverschuldet und kann ausschliesslich den damaligen Arabern Palästinas und dem Rest der arabischen Welt angelastet werden. Nur sie haben die Uno-Resolution 181 der Teilung Palästinas abgelehnt und sind im gerade entstandenen jüdischen Staat Israel (der die Resolution sofort angenommen hatte) einmarschiert, um die Juden ins Meer zu werfen und das Gebiet unter den arabischen Nachbarstaaten zu verteilen. 

Es ist eine Tatsache, dass nichts israelische Araber so stark aus der Fassung bringt wie die Drohung rechtslastiger israelischer Politiker vorwiegend von Arabern bewohnte Regionen Israels dem zukünftigen Staat Palästina abzutreten. Denn das Letzte, was sie wollen, ist in einem arabischen Staat zu leben, mit all seiner Korruption und seinem internen Terror, wie es die Autonomiebehörde und die Hamas in Cisjordanien und im Gazastreifen vorführen. Dass sie mit Vehemenz lieber im freiheitlichen Israel leben wollen, statt in einem diktatorischen und islamistischen Palästina, kann ihnen nicht verargt werden. Politische Korrektheit und Angst vor gewalttätigen Angriffen aus Kreisen israelischer Islamisten verhindern, dass dies laut gesagt wird.

Aus den 600'000 wirklichen arabischen Flüchtlingen von 1948 sind inzwischen 5 Millionen geworden. Mit anderen Worten palästinensischer Flüchtling zu sein ist erblich. In völligem Gegensatz zu den Flüchtlingen, die vor den Nazis im Europa des Zweiten Weltkrieges fliehen konnten. Jene die nach Amerika flüchteten, jene Juden, die aus Russland und Polen vor allem nach Amerika flüchteten um den zaristischen Pogromen zu entkommen, die deutschstämmigen  Oberschlesier oder die heutigen Flüchtlinge aus muslimischen Ländern in Europa, über die ich in Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ gelesen habe, das die politisch Korrekten doch so aus dem Häuschen brachte. Die europäischen Flüchtlinge, die als Christen vor der Verfolgung durch andere Christen nach Amerika flüchteten, konnten ihre neuerworbene Freiheit dort ausleben. Juden und Osteuropäer haben sich von Beginn an nicht als Flüchtlinge gesehen, sondern als Bürger in einer neuen Welt, wie übrigens auch die erwähnten ersten Amerikaner.

Nur die sich heute Palästinenser nennenden Flüchtlinge, ihre Kinder und Kindeskinder werden von der UNWRA im Namen der UNO verhätschelt und erhalten von der Welt mehr Unterstützung, als sämtliche anderen Flüchtlinge auf dieser Welt, denen das Recht diesen Titel ihren Nachkommen zu vererben, versagt ist. Fairerweise muss festgestellt werden, dass zu einem grossen Teil ihre arabischen Gastländer ihnen eine Integration versagen und sie gerne als Berufflüchtlinge halten. Das ist ganz besonders im Libanon ersichtlich, wo Palästinensern arbeiten untersagt ist und sie noch immer in recht dürftigen Lagern (auch wenn dort schon Villen stehen) „eingesperrt“ sind. Sabra und Shatila sind hier die bekanntesten dieser Flüchtlingslager, denn hier rächten sich libanesische Christen für die tausendfachen Christenmorde palästinensischer Banden in den Jahren vorher im libanesischen Bürgerkrieg.
Palästinensische Flüchtlinge werden von arabischen Staaten missbraucht und missbrauchen die ganze Welt, vor allem die UNO, Europa und die USA. Die Situation wird gerne von gutmenschelnden Organisationen und ihren Mitgliedern ausgenutzt, die so ihren Israel- und Judenhass, ihre allgemeine Misanthropie und Komplexe ausleben können. Namen will ich keine nennen, es gibt sie auch in der Schweiz und unglücklicherweise sind darunter nicht wenige mir bekannte jüdische Besserwisser.

Soweit zum palästinensischen Flüchtlingsproblem, der heutigen Ausrede Nummer eins für den gängigen Antiisraelismus.

Nichtmuslimischen Israelkritiker 

Die Welt der im Westen mit Israelhass agierenden Israelkritiker muss etwas differenzierter angesehen werden. Aber nur auf den ersten Blick. Zwischen linken und rechten „Israelkritikern“ gibt es wenig Unterschiede. Die Linken geben sich wissender, denn sie können lesen und suchen sich aus den Medien, was mit ihrer Ideologie übereinstimmt. Sie besuchen die Palästinenser in den besetzten Gebieten und im befreiten Gaza. Dort hören sie alles, was sie hören wollen und werden nie enttäuscht. Denn Araber sind sehr gastfreundlich – das weiss ich aus eigener Erfahrung und meine es ernst – und wollen ihre Gäste nicht enttäuschen. Um Gespräche mit Juden, die ihrer Ideologie der steten Israelkritik nicht beistimmen, machen sie einen grossen Bogen. Wie schon erwähnt, sind In diesem Geschäft leider auch jüdische Gruppierungen und Einzelkämpfer vorhanden, von denen ich einige Schweizer kennenlernen musste. Namen nenne ich lieber nicht. Nebenbei, mir ist bis heute unerklärlich, wieso diese Kreise den Zusammenhang von Israels Problemen mit seinen Nachbarn, mit der heute sogar einem Blinden sichtbar gewordenen arabischen Gesellschaft der Gewalt, des internen Terrors und religiöser und auch säkularer Tyrannei nicht in einen Zusammenhang mit den Problemen Israels gebracht werden.

Politischen Rechtsextremisten sind oft Bewunderer israelischer Macht und militärischer Stärke geworden. Sie sehen nur die eigentlich recht unjüdische Beschäftigung mit Krieg und Verteidigung gegen die verachteten Araber. Nur, Juden mögen sie trotzdem nicht, aber Israel scheinen sie zu respektieren. Allerdings sind sie, wie Broder bestätigt, nicht allzu ernst zu nehmen, eine Sicht, die nach dem Massenmord des Norwegers Anders Breivik etwas relativiert werden muss.

Antiisraelische Organisationen

Die UNO und die meisten ihrer Unterorganisationen sind ein Brutbett antisemitischer und antiisraelischer Machenschaften. Der Menschenrechtsrat, ausgerechnet im Schweizer Genf beheimatet, zeichnet sich da besonders aus. Beherrscht von all jenen Staaten, die fast ausschliesslich nur Menschenrechtsvergehen verüben (ich denke nicht, dass ich damit allzu sehr übertreibe), ist diese Organisation im Hinblick auf den Nahen Osten ein übler Witz. Belegte Beispiele dafür gibt es zuhauf.

Nehmen wir die UNO, die es 1975 fertigbrachte mit ihrer Resolution 3379 den Zionismus als Rassismus zu bezeichnen. Diese Resolution wurde allerdings einige Jahre später von derselben UNO-Generalversammlung widerrufen, denn sie war nun doch allzu peinlich und dumm.

Nehmen wir die Durban Veranstaltungen, in den ausschliesslich antiisraelische Hetzkampagnen stattfanden und stattfinden, als wäre der Rest der dritten Welt ein Paradies und Menschenrechte werden im Sudan, Afghanistan, Saudiarabien, Syrien, Libyen, Jemen etc. (diese Liste könnte fast ad infinitum weiter geführt werden) völlig respektiert, ja ausgebaut.

Weitere Beispiele wären amerikanische und kanadische Universitäten, an denen ein sehr hitzköpfiger, sogar kopfloser aber dennoch bösartiger Antiisraelismus herrscht, der Andersdenkende niederschreit, bedroht und jüdische Studenten zum Opfer islamistischen Judenhasses auf dem Campus werden lässt.

Nichtswissende Besserwisser haben beispielsweise die BDS Bewegung ausgelöst, welche die Vernichtung Israels durch Boykotte, Desinvestition, Sanktionen, wie es sogar Norman Finkelstein, ein nicht ganz so appetitlicher Israelkritiker, selbst sagt und sich davon energisch distanziert.  

Lassen wir es bei diesen Beispielen.

Das besetzte Gebiet – heute nur noch die Westbank

Es gibt einiges an Israel und seiner Besatzungspolitik zu kritisieren. Israel wollte die Westbank nach dem Sechstagekrieg loswerden, doch die arabische Welt antwortete mit den drei Neins von Khartum. 1977 kamen rechtsgerichtete Parteien unter Menachem Begin an die Macht und die Besiedlung in der Westbank und in Gaza begann, denn bis da waren nicht einmal 5000 Siedler dort. Durch die fürchterlichen Massenmorde palästinensischer Terroristen an Israelis (Juden und Araber) während der zweiten Intifada verhärtete sich die Abneigung vieler Israelis gegen die Palästinenser und das Resultat war der wachsende Einfluss immer weiter rechts gerichtete Politiker und deren Politik gegenüber dem Terror aus der Westbank und Gaza. Diesen Wandel drückten in den folgenden Jahren israelische Wahlresultate aus. Man kann ohne weiteres sagen, dass die Palästinenser und ihr Terror, sich diese israelische Politik zu grossen Teilen selbst verdient haben. Dass sich die Stimmung ihnen gegenüber in Israel verhärtet hat, Verständnis und Mitgefühl sich verflüchtigt, ist eine Tatsache, die nicht zu ignorieren ist.

Zusammenfassung

Hat Israel einen Partner für einen wirklichen Frieden? Keiner kann das wissen, ich schon gar nicht. Zurzeit – vor zwölf Jahren war das anders, da wollte wenigsten Israel Frieden – sieht es nicht danach aus. Mahmud Abbas scheint verhandeln zu lieben, vielleicht redet er gerne, doch vor einer Einigung zurückzuschrecken, so wie sein Vorgänger Jassir Arafat. Ob Nethanyahu tatsächlich Frieden unter den heutigen Umständen will, bezweifle ich. Sein ideologischer Hintergrund scheint ihm ein Bein zu stellen, seine Koalitionspolitik auch, obwohl er durch den Beitritt der Kadima Partei es in der Hand hat, aussenpolitisch und (noch wichtiger) innenpolitisch revolutionäres durchzusetzen.

Samstag, 26. Mai 2012

Zichron Ya'akov's History of the Blues





Es war einmal

Noch immer trauere ich dem lokalen Jazz- und Bluesclub „Bluesette“ nach, der mangels Finanzen und milchiger Küche vor einigen Jahren geschlossen werden musste. Ich war dort beschäftigt und freundete mich mit dem Besitzer an, einem Treuhänder und damals auch Mitglied der Stadtregierung. Leider ging ihm das Geld aus, denn nur mit Bier und Kaffee kann sich auch ein Jazzclub finanziell nicht über Wasser halten. Sigi ist traditioneller Jude jemenitischer Herkunft mit sehr viel jüdischem Wissen und bestand darauf keine Fleischspeisen zu servieren. Nur eben, er kannte sich in den Kreisen der Jazz-Liebhaber nicht aus. Dass diese lieber ein grosses Steak statt Käsekuchen konsumieren, hat dem Bluesette seinerzeit das Genick gebrochen – es blieb schlicht bei der Billigstkonsumation von Bier oder Kaffee, auch wenn das Lokal fast immer proppenvoll besetzt war. Das zur neueren Lokalgeschichte Zichron Ya’akovs.

Das neue Jazz Café in Zichron Ya’akovs Bahnhof


Erst diese Woche habe ich herausgefunden, dass es in Zichron einen Bahnhof gibt. Die Züge fahren dort mit Getöse vorbei, halten aber nicht, denn diese Station ist seit Jahrzehnten ausser Betrieb. Aber der Bahnhof steht noch und wurde vor wenigen Monaten zu einem entzückenden Café umfunktioniert. Es lädt jeden Donnerstagabend zu einer Jam Session ein, vor allem Blues. Nächste Woche soll’s Dixieland geben. Zwar ist es stets Amateur Night, und kostet so keinen Eintritt. Auf dem Bahnhof wehen eine israelische und eine australische Flagge.

Das Lokal gehört Graham, einem ehemaligen Australier. Noch ist sein Hebräisch in einem Stadium, das eine hebräische Konversation schwierig macht – doch wer spricht heutzutage nicht Englisch. Am vergangenen Donnerstag spielte Grahams Sohn Blues auf seiner E-Gitarre mit einer Selbstverständlichkeit und einem Können, das mich vom Stuhl haute. Doch um Halb Zehn gab Papa ein Zeichen, er packte sein Instrument ein und wurde von seinem Vater nach Hause ins Bett gebracht. Der Kleine spielte zusammen mit Delmark Goldfarb aus Oregon/USA.
Delmark Goldfarb, genannt Del
Die Musik war gut, aber noch schöner war die Atmosphäre – sofort fand ich Anschluss, es gab Gesprächspartner, jeder setzte sich zu jedem und die Mädchen waren hübsch. Zwar donnerten um diese späte Tageszeit Züge nur noch alle zwanzig oder dreissig Minuten vorbei, doch israelische Züge sind kurz. Zudem haben Eisenbahnzüge im Zusammenhang mit dem Blues romantische Bedeutung. So wie beispielsweise der „Train Song“ der Holmes Brothers (gesungen von Popsey).

 
Popsey (auf dem Bild oben rechts)und ich kennen einander noch vom Luzerner Bluesfestival, wo er seinerzeit dieses Lied auf meinen besonderen Wunsch zweimal sang. . Hier noch ein Blues mit ihm:





Blues Doc

Norm heute vor im Midrachov, der Fussgängerzone Zichrons



Norm im TV-Studio beim sich warmspielen.
Kurze, aber hervorragende Aufnahme
 
Am Schabbat vor drei Wochen hörte ich am „Midrachof“, der Fussgängerstrasse Zichron Ya’akovs, jemanden mit einer sehr starken Stimme Blues singen. Ich fand den Blues Doc, einen Amerikaner aus Florida, Dr. Norman S. Cohen, MD. Man ruft ihn Norm. Vier Tage später waren er und seine Frau Rona bei uns zum Abendessen, zusammen mit einigen meiner Freunde. Norm wanderte vor fünf Jahren von den USA nach Israel aus. Er hatte in den USA seine Approbation zusammen mit noch 250 Ärzten verloren, weil er billiges Botox benutzt hatte, das ihnen von einem Lieferanten aufgeschwatzt worden war. Doch auch dann war er verantwortlich und bereut diesen Fehler, auch wenn niemand zu Schaden gekommen sei, wie er beteuert. Heute hat er die Approbation wieder und arbeitet in Teilzeit als Arzt, aber in Israel. Seine Klinik in Miami, die Villa mit Swimming Pool und seine private Cessna ist er los. Doch hat er sich inzwischen so an sein Leben als Strassenmusikant gewöhnt, dass er dieser neue Karriere nicht mehr völlig abschwören will. Weniger Verantwortung und mehr Fun ist seiner angeschlagenen Gesundheit zuträglicher. Norm spielte und sang sein Leben lang Blues und übt heute sein ehemaliges Hobby als Beruf aus. Er spielt, wie fast jeden Schabbat, in Zichron Ya’akov bei den Kaffeehäusern vor der Bank Hapoalim. Während der Woche trifft man ihn meist in Tel Aviv.




Heimweh nach New Orleans

Zum Abschluss noch eine stimmungsvolle Szene voller musikalischer Talente aus der Bourbon Street in New Orleans. Obwohl ich bisher erst dreimal diese Stadt besucht habe, sind meine nostalgischen Gefühle für sie noch stark und ich brachte es fertig, dafür einen meiner zwei tanzenden Enkel, Eran, dafür zu begeistern und wir planen eine Reise dorthin. Hier zwei Strassenszenen, welche die einzigartige Atmosphäre dieser Stadt wiedergeben:

video 

Und gleich noch eine von der Royal Street, die Strasse mit den schönen Galerien und Geschäften:

 





Mittwoch, 23. Mai 2012

Schreibstau




Festliche Eröffnung der Vernissage. Zu sehen sind vor allem "mutige" Juden, die sich nach Umm el-Fahm wagten - und es immer wieder tun.
Said Abu-Shakra und Regula Kuhn

Schmiedeisernes Tor zu einem Herrschaftshaus

Ich weiss nicht ob der alte Geheimrat Goethe je an Schreibstau gelitten hat. Auf jeden Fall leide ich nun schon einige gute Wochen an dieser Krankheit. Der Kopf fühlt sich leer, wenn ich ein bisschen nur auf mein literarisches Erinnerungsvermögen drücke, entkommt nur Luft mit einem lauten Pffffff.

Um mir selbst auf die Sprünge zu helfen, habe ich einige Erfahrungen der letzten Tage und Wochen zusammengekratzt und will sie hier, mit separaten Titeln versehen, stückweise in den kommenden Tagen wiedergeben.

Vernissage in Umm El-Fahm am 19. Mai 2012

Noch immer arbeite ich für „meine“ Kunstgalerie in Israels grösster muslimischer Stadt. Diese Institution, vor etwa fünfzehn Jahren von meinem Freund Said Abu-Shakra gegründet, blüht und gedeiht, unter anderem auch durch Hilfe aus der Schweiz. Eigentlich ist die Galerie eine dreiteilige Organisation. Es gibt die Galerie auf über tausend Quadratmeter Fläche, es gibt denn Treffpunkt für Aktivität von Arabern und Juden und es gibt die Kinderkunstschule. Es ist vor allem die direkte Arbeit mit den Kindern dieser Stadt und ihren benachbarten Dörfern, und das Einbeziehen nichtarabischer und nichtmuslimischer Israelis als ausstellende Künstler, als Kuratoren, Kunstlehrer, Mäzene und anderem, die diesen inzwischen zu einer landesweit anerkannten Institution gewordenen Kunstbetrieb so attraktiv macht. Die Kinderkunstschule ist ein Sozialwerk, das Buben von den Strassen holt und Mädchen vom Hausarrest (etwas überspitzt gesagt) bis zur Heirat rettet. Viele Jugendliche werden damit vor Langeweile und dem dadurch erzeugten Fall in die Drogenszene, religiösen Extremismus und Kriminalität gerettet. Die Galerie wird von der ultrakonservativen Stadtregierung Umm El-Fahms unterstützt. Diese gestattet ihr Aktivitäten durchzuführen, die eigentlich weder orthodoxen Muslimen (noch orthodoxen Juden) erlaubt sind. Mädchen und Burschen aller Altersgruppen malen und töpfern zusammen, spielen Theater zusammen, lernen Kunstgeschichte zusammen und lernen gelegentlich auch Musik. Das Schlüsselwort dazu ist „zusammen“, denn damit werden alte rückwärtsgewandte orientalische Traditionen in Frage gestellt und damit die Herrschaft der Männer dieser Gesellschaften langsam untergraben. Ein erster Schritt in den zivilisatorischen Fortschritt ist damit getan. Doch der Weg ist noch lang und jahrelange Geduld ist gefordert. Das war nicht immer so. In Gesprächen mit Bürgern Umm El-Fahms hörte ich auch nostalgische Sehnsucht nach den Zeiten, in denen die Stadt von Kommunisten regiert worden war und, so wurde mir gesagt, Kultur gross geschrieben wurde. Es hätte drei Kinos und ein Theater gegeben, kulturelle Anlässe und anderes. Heute ist all das auf die Galerie konzentriert – dort wurde schon ein Tag zum Thema Frauenrechte durchgeführt, in die die britische Baroness Helena Kennedy QC (Uris Tagebuch 31.5.2004) die Damen der Stadt in Frauenrechte einführte. Da dieser Tagebuchbericht noch aus meiner Vorblogzeit stammt und daher nicht im Blog zu finden ist, drucke ich ihn am Ende dieses Tagebucheintrags zur Lektüre ab.

Umm El-Fahm von Abu Ayads Aussichtspunkt aus gesehen

Am vergangenen Samstag fand die Vernissage einer neuen Ausstellung statt. Zum Thema „Ort – Zuhause“ stellen siebzehn jüdische und arabische Künstler Gemälde und Skulpturen aus. An sieben verschiedenen Orten: in der Galerie selbst, bei vier Familien in deren Haus und einem Zelt und zwei von israelischen (Arabern und Juden) Studenten restaurierten alten Häusern. Mit zehn Kleinbussen wurden diese besucht. Ich möchte darüber nicht im Detail berichten, sondern nur einige Fotos über diesen Stadtausflug sprechen lassen. 

 

Regula und Walo Kuhn (oben) bei im Atelier von Fuad Aghbaria (rechts). Fuad ist daneben auch Fahrlehrer und Kunstlehrer in einem College.

Abu Ayad und sein Maler
Die Klause von Abu-Ayad. Hier ist der schönste Aussichtspunkt auf Umm El-Fahm.
Neue Villen in Umm el-Fahm
Neue Villen in Umm el-Fahm
Umm El-Fahm, eine sehr photogene Stadt, besonders aus der Ferne betrachtet


31.5.2004 – arabischer Feminismus auf Englisch

Nur mit dem Detail, dass die Vorsitzende des British Council zu Besuch komme und einen Empfang veranstalte, an dem auch viel gegessen werde, forderte Said Abu-Shakra Lea und mich auf, heute in die Galerie in Umm El-Fahm zu kommen. Auf Punkt 12.30 Uhr. Bei Said isst man immer gut.

Was ist dieser British Council? Der British Council ist eine riesige öffentlich-staatliche Organisation, die sich, kurz gesagt, dem Internationalismus verschrieben hat. Sie fördert Wissenschaft und Kultur, Tourismus und viele Arten zwischenmenschlicher Beziehungen. Der British Council ist in 110 Ländern vertreten, stellt Bibliotheken und Informationszentren auf und vermittelt Studienplätze in England für Ausländer und im Ausland für Engländer. Der British Council vermittelt England der Welt und die Welt den Engländern.

Baroness Helena (Rufname Helen) Kennedy QC (Queens Council), ist Mitglied des Oberhauses und hat noch eine Reihe weiterer Beschäftigungen, wie die der Juristin, vor allem vielseitig in der Kriminaljustiz, Vorsitzende des Internationalen Theaterfestivals, Präsidentin des national Kinderbüros, Commissioner der nationalen Erziehungskommission, Vorsitzende der Kommission für menschliche Genetik. Die Baroness Kennedy besitzt fünfzehn Ehrendoktorate, das Zählen der Ehrenposten erschöpft mich. Helen (wir nennen uns in diesen Kreisen beim Vornamen) strahlt Energie aus. Zu all dem vorhin erwähnten ist sie eine überzeugte und erfolgreiche Zivil- und Frauenrechtlerin.
Lea und ich verstanden erst nicht, warum sehr viele arabische Frauen anwesend waren. Nach dem reichlichen Mittagessen auf der Terrasse besammelten wir uns im Theatersaal der Galerie. Hier erst fanden wir heraus um was es in diesem Treffen ging. In ihrer Ansprache berichtete Helena Kennedy über Kurse, die von den britischen Botschaften zum Thema „Frauen im öffentlichen Leben“ durchgeführt werden.  Diese Kurse seien stets ausgebucht und es gäbe Wartelisten. Sie spricht über die soziale Stellung der arabischen Frau, die dreifach benachteiligt sei, durch Traditionen, Religion und die wirtschaftlich-soziale Rückständigkeit ihrer Gesellschaft. Ich hatte das Gefühl, die anwesenden jüdischen Frauen – von der Natur der Sache her alle fortschrittlich gesinnt, modern denkend und selbständig, sonst wären sie gar nicht hier – mussten daran denken, dass es auch in der jüdischen Gesellschaft solche Benachteiligungen gibt. 

Der Neid der arabischen Teilnehmerinnen auf die Powerfrau Helena Kennedy war fühlbar, vielen drückten sich in ihren Fragen an Helena entsprechend aus. Wie, fragte eine, könne sie so viele Ämter bewältigen, der Zeitaufwand müsse gewaltig sein. „Meine Mutter wurde darüber befragt“, erzählte Helen dem Publikum, „sie antwortete: meine Tochter ist eine lausige Hausfrau“. Das sei ihre Antwort. Wenn man für das, wofür man einstehe auch anpacken wolle, sei alles möglich und sie müsse halt Prioritäten setzen. Sie setze sich für Frauenrechte ein, organisiere feministische Lobbyarbeit und findet durch ihre Überzeugungskraft meist offene Türen. Vor allem, sagte sie, sei ihr klar, dass die arabischen Frauen nicht gegen ihre Männer kämpfen, sondern um das Recht mitzureden. Mit ihrem Interesse für die universalen Rechte und Stellung der Frau, provozieren die Teilnehmerinnen anwesende Ehemänner. Lea sass in der hintersten Reihe zusammen mit zwei Frauen, einer Jüdin und einer Araberin, mit denen sie ins Gespräch gekommen war. Der Rest der Sitzreihe war von Männern besetzt, die während dieser frauenrechtlichen Frage- und Antwortstunde mit einem Ruck aufstanden und demonstrativ den Saal verliessen. Lea war schockiert. Die Zeiten für Frauenrechte sind  in der arabischen Gesellschaft steinig, auch wenn es schon Familien gibt, Said und Siham gehören dazu, in denen in jeder Beziehung Gleichberechtigung herrscht. Allerdings sollten wir Juden nicht  überheblich sein, denn auch unsere orthodoxen Brüder vertreten noch heute ähnliche Vorstellungen.

Internationale Politik wurde auch besprochen. Mit dem Irakkrieg sei England wieder zur Kolonialmacht geworden, wird Helen vorgeworfen. Sie antwortete, sie sei zwar mit der britischen Teilnahme im Irakkrieg nicht einverstanden, aber kolonialistische Absichten habe ihr Land keine. Auf die obligate Bemerkung über die Leiden der Palästinenser unter der israelischen Besetzung antwortete Helen, dass die Leiden aller Menschen in der Region schlimm seien und Mitgefühl und Hilfe verdienen. Gerade in Israel setzen sich viele Aktivisten für Frieden und Koexistenz ein. Die kleine Schottin mit den roten Haaren hat diplomatisch Klasse und lässt sich nicht vereinnahmen. An solchen Anlässen teilzunehmen ist für uns ein Geschenk, es hilft mit Vorurteilen aufzuräumen. Wir haben noch über einiges nachzudenken.

Vor einer Woche sass ich bei Segiv dem Coiffeur und wartete auf meinen Haarschnitt. Es traten zwei Damen aus dem arabischen Dorf Arara ein, einem Nachbarort von Umm El-Fahm. Sie wurden von Segiv als Stammkundinnnen herzlich begrüsst. Segiv ist bedingungsloses Likudmitglied, Anhänger Nethanyahus und nicht nur deswegen nicht der hellste, aber er und seine Kundinnen demonstrierten, wie in Israel Normalität gelebt wird. Haare waschen, schneiden, färben und wellen ist eine intime Dienstleistung und mit seinem Erfolg Kundinnen aus dem entfernten arabischen Dreieck zu gewinnen, stieg meine Hochachtung für Segiv.

Zum Abschluss noch etwas wichtiges: Meine Kollegen der lokalen Polizei, zu der ich bald zurückkehren werde, hat einen einzigartigen Erfolg zu verzeichnen. Sie verhaftete gestern einen mobiles Puff, einen Wohnwagen in dem ein Faltbett, eine gut ausgestattete Bar und eine Schachtel Kondome diverser Grössen gefunden wurde. Selbstverständlich sind diese Sexarbeiter- und arbeiterinnen Ausländer – wie jeder, der nicht in unserer weinfröhlichen Stadt wohnt. Wer's glaubt wird seelig.


Dienstag, 8. Mai 2012

Die Antwort auf meine Antwort





Die oft gestellte Frage

Wenn auf Besuch in der Schweiz wird mir oft die Frage gestellt, ob ich nicht lieber in der Schweiz wohnen würde. Meine Standardantwort darauf ist meist: „Ich liebe die Schweiz, ihre Berge, die frische Luft, die guten Restaurants und die Ruhe. Und vor allem meine Familie und Freunde dort. Aber leben in Israel ist weit interessanter“. Es geht täglich „um die Wurscht“. Kurz gesagt, in Israel geht es auch weiterhin um dem Aufbau, die Gestaltung und das Überleben eines modernen demokratischen Staates in einer extrem feindlichen Umwelt, in der Schweiz geht es zu einem gross Teil um Besitzstandwahrung, auch wenn dieser zu wahrende Besitz wahrlich beeindruckend ist. Das soll kein Urteil sein, sondern nur eine Beschreibung des heutigen Zustandes, die, so gesehen, durchaus von einem gewissen Neid motiviert sein kann. Denn „solche Sorgen möchte ich haben“, sagen viele Israel.

Keine Bibiwahlen

Was heute geschah, wird in die Geschichte eingehen. Ich hatte gestern Abend gerade vier Zeilen unter dem Titel „Bibiwahlen“ geschrieben und wollte diesen Tagebucheintrag heute früh vervollständigen. Früh morgens las ich als erstes Jacques Ungar’s Bericht im Tachles online. Jacques hat seine Nase immer ganz zuvorderst. Die Knessetwahlen seien abgesagt und stattdessen sei Kadima mit seinem neuen Chef Shaul Mofaz Nethanyahu’s Regierung beigetreten. Das wiederum bestätigt meine weiter oben geschriebene Aussage in Israel sei das Leben interessanter, denn diese Meldung ist umwerfend. Ein politischer Geniestreich.
Jetzt kommen Hoffnungen hoch, Prioritäten können neu gesetzt werden und die ausserordentlichen finanziellen Ergebnisse der israelischen Wirtschaft und die hohen Steuern von Israels arbeitenden Bürgern würden wirklich denen zugute kommen, die sie erarbeitet haben und nicht zur Förderung haredischer Kinderproduktion und Arbeitsscheu missbraucht werden.

In den Medien und unter Politikern wird geflucht und gelobt. Ich selbst wunderte mich erst, dann aber, seit ich schon lange der Meinung war Kadima (und auch die Arbeitspartei, die sich noch immer ziert) müsse Regierungsverantwortung übernehmen, bevor Nethanyahu unter dem Druck der Rechtsextremisten und der Ultraorthodoxen das Land in eine Zukunft führen würde, an die ich nur mit Schaudern denken kann – da habe ich mich sogar gefreut.

Eines muss man Nathanyahu lassen: er ist ein ganz schlauer und ausgefeilter Politiker, der das Angebot von Mofaz als Möglichkeit sah, sich aus den Klauen vor allem der das Staatsbudget schädigenden Ultraorthodoxie zu lösen und den Einfluss der Siedler zu schwächen. Hoffentlich sehe ich das richtig. Ob er die Frommen für vierzig Jahre in die Wüste schicken und ohne sie Regierungspolitik gestalten wird, werden wir sehen.

Zwei Bedingungen hat Nethanyahu von Mofaz akzeptiert: Das Tal-Gesetz, mit dem der Staat das haredisches Drückebergertum vor Arbeit und Wehrdienst aktiv unterstützt, weil er (und zahlreiche Vorgänger) sich in die koschere Mausefalle ultraorthodoxer Parteien hat fallen lassen, soll revidiert werden. Die zweite Bedingung ist die Revision des Regierungssystems. Was damit gemeint ist, ist nicht ganz klar: das unmögliche Wahlsystem Israels, in dem es keine Mindestgrenze, sagen wir von fünf Prozent der Stimmen, einer Partei erst ermöglicht, überhaupt in die Knesset einzuziehen. Oder vielleicht die Organisation der Regierung selbst, z.B. einer stark limitierten Zahl Minister, die den Kuhhandel zu Koalitionsbildung etwas limitierten könnte.

Nethanyahu hat jetzt neu eine Knessetmehrheit von 94 Sitzen. Ultraorthodoxe Parteien (Schas 11, United Torah 5) von gesamthaft 16 Sitzen könnten problemlos aus der Koalition entfernt werden, diese würde nicht weniger stark bleiben. Auch auf Lieberman’s rechtsextreme Israel Beitenu (15 Sitze) könnte verzichtet werden, für sein Amt als Aussenminister gibt es weit geeignetere und vielleicht sogar höflichere Leute, vor allem in der Kadima. Doch wird er noch für innenpolitisches gebraucht.

Sollte sich im Laufe der kommenden Wochen und Monate tatsächlich eine Regierung resistent gegen religiöse Erpressungen und vielleicht sogar politischem Druck aus Siedlerkreisen entwickeln, könnte das für die Arbeitspartei der Ansporn sein, ebenfalls der Regierung beizutreten. Alles was von ihrer Vorsitzenden bisher zu hören war ist reinste politische Heissluft, genau so wie vor erst zwei Wochen die vielzitierte Feststellung Mofaz’ über Nethanyahu den Lügner. Auch wenn’s stimmt: Politik ist eben Politik. In Israel wie in anderen demokratischen Staaten.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Abmachungen zwischen Nethanyahu und Mofaz, die in deren Einzelheiten noch nicht bekannt sind, auch zufriedenstellend umgesetzt werden.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Für Israel an Zürichs Bahnhofstrasse





Meine zwei Gesprächspartner, ganz links im Bild

Die Gesellschaft Schweiz-Israel (GSI), Sektion Zürich, präsentiert sich in regelmässigen Abständen an der Bahnhofstrasse. Ihre Mitglieder diskutieren Israel mit Passanten, verteilen Broschüren und Flugzettel. Manchmal kommt es zu verbaler Gewalt, es wird gespuckt und gelogen, aber als ich mich vor einer Woche dazugesellte, ging es eigentlich gesittet zu. Es gab Passanten, die sich einem Gespräch verweigerten, es gab solche, die sich darauf einliessen. 





Ich selbst wurde in eine selbst ausgelöste Diskussion mit zwei jungen Männern verwickelt, die fast eine Stunde dauerte. Einer davon war ein kosowarischer Muslim und der andere ein Schweizer Lehramtsstudent. Meine Freundin Trudi Schlatter gesellte sich dazu. In einem Satz: eigentlich seien die Palästinenser völlig unschuldig am Schicksal der Juden während der Nazizeit. Ich klärte sie darauf hin über die Nazisympathien der Muslimbrüder und den Jerusalemer Mufti Hadsch Amin al-Husseini der zwanziger und dreissiger Jahre auf, der Judenhass predigte und ausübte, bis er zu Hitler fliehen musste. Dass er für diesen auch noch zwei bosnisch-muslimische SS-Divisionen auf die Beine stellte, die ihre eigenen Konzentrationslager führten und Hunderttausende im Namen Allahs ermordeten, fügte ich bei. 


An der Bahnhofstrasse bei der Pestalozziwiese

Dabei fand ich heraus, dass beide, sogar der Schweizer, immerhin Student an der Züricher Universität, eine geschichtliche Ignoranz besassen, die eines Maturanden unwürdig ist. Aber immerhin, wir endeten beim lieben Gott, der, so die beiden, bei allen drei Religionen eigentlich dasselbe wolle. Was denn? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wie auch Frieden, Freude, Eierkuchen? Ersteres stammt von Rabbi Hillel viele Jahre vor Rabbi Jesus. Heute predigt der Islam vor allem Hass, doch war das vielleicht nicht immer so. Wir schieden in Frieden, wenn auch ohne die Lösung zum Israel-Palästina Problem gefunden zu haben. 

Wir Israelis und Schweizer Juden müssen dem GSI Zürich für diese Aktivität sehr dankbar sein. Sie tun etwas sehr wichtiges, exponieren sich furchtlos den Voreingenommenheiten und Ignoranz verschiedener Passanten, werden aber immer wieder belohnt, wenn ihre Argumente auf fruchtbaren Boden fallen.  


  
Ich möchte mich von ganzem Herzen bei Dani Schürch, Rolf und Marie-Angela Eberle, Cornel Reshef, Beatrice Bisang und ihren Freunden des GSI und der Jerusalemgruppe für ihren beeindruckenden Einsatz bedanken.